Das französische Wohnzimmer — der Salon — ist die Kunst, einen Raum zugleich großzügig und intim wirken zu lassen. Diesen scheinbaren Widerspruch löst es durch bewusste Proportionen: Der Spiegel ist hoch, die Möbel sind niedrig; der Teppich ist weitläufig, die Farbpalette jedoch flüsterzart; die Vorhänge reichen bis zum Boden, der Stoff ist jedoch so transparent, dass das Licht hindurchströmt. Alles ist darauf ausgerichtet, den Raum optisch zu weiten und seine Bewohner gleichzeitig in Behaglichkeit zu hüllen.
Die Sitzgruppe ist für das Gespräch arrangiert, nicht für die Unterhaltung. Ein mit Leinen bezogenes Canapé steht einem Paar Bergère-Sessel gegenüber, getrennt durch einen Tisch mit Marmorplatte; ein Fauteuil ist leicht schräg in die Gruppe integriert. Die Stücke teilen eine gemeinsame Palette — Creme, Lavendel, zartes Blau —, variieren jedoch in Form und Detail und vermitteln jene gewachsene Qualität, die entsteht, wenn man einen Raum über Jahre hinweg einrichtet, statt ihn in einem einzigen Einkaufsbummel zu möblieren.
Über allem thront der Spiegel. Ein ornamentaler vergoldeter Rahmen, leicht angelaufenes Glas, ein dekorativ geschnitztes Paneel an der Oberkante — er reflektiert die Fenster, vervielfacht das Licht und gibt dem Raum ein Gravitationszentrum, das kein Gemälde erreichen könnte. Auf dem Kaminsims oder dem Tisch darunter vollendet ein lockeres Arrangement aus Gartenrosen in einer Glasvase das Bild. Das französische Wohnzimmer verlangt keine Perfektion; es verlangt Schönheit, Wärme und die Gelassenheit, einige Dinge auf das Schönste unvollkommen sein zu lassen.























